Hier einiges über mich und die Geschichte, die zu dem Buch führte.

Ich erinnere mich, dass ich als Kind einen Stein mit einem durchgehenden Loch aus einem Bach holte, weil ich diesen für eine Steinaxt hielt– mein wohl erster Kontakt zur Steinzeit. Suchen, Sachen finden, neugierig in den alten Kellern und Tunneln der mittelalterlichen Gemäuer Rottweils herumkriechen war eine Leidenschaft.

Geboren bin ich 1946 in Dessau, wurde zum Flüchtlingskind. Bis zum Abitur war Rottweil mein Zuhause. Studiert habe ich Medizin in Tübingen und dann in Berlin zur Zeit der 68er – mit allen politischen Aktivitäten, die wichtig waren und die meinen Eltern die Haare zu Berge stehen ließen.

Meine Doktor-Arbeit

hatte ich davor bereits nach einigen Semestern Medizin in einem Urlaubssemester am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg gemacht. Es war eine experimentelle Arbeit über die Durchlässigkeit der Plazenta für Eiweißstoffe. Diese stand im Zusammenhang mit den Schädigungen durch das Beruhigungsmittel Contergan, das die Plazentarschranke überwand und das die Embryonen schädigte. Viele Frauen brachten in den 60er Jahren Dysmelie-Kinder zur Welt.

Nach dem Studium

1972 bestand ich das Staatsexamen, arbeitete im Berlin-Kreuzberger Urbankrankenhaus in der Chirurgie. Drei Kinder bekamen wir in dieser unruhigen Zeit, und als die „68er“ zu Ende gingen, war Nicaragua und die Arbeit dort in einer medizinischen Ambulanz ein guter Ausweg aus der entstandenen Berliner Sinnkrise.

Nach zwei Jahren Nicaragua war es wieder Rottweil, Landung in der alten Heimat, mit Arbeit am Krankenhaus und Gründung einer Hausarztpraxis in einem ländlichen Vorort. Die Erkrankung an einer Form der Leukämie bereitete 2003 der Existenz als Arzt ein Ende. Die Behandlungen scheinen erfolgreich gewesen zu sein.

2010 Studim Ur- und Frühgeschichte in Zürich

Damit war der Weg frei für ein neues Studium: Archäologie, Schwerpunkt Urgeschichte. Und weil von Krankheiten in der Urgeschichte nie die Rede war, sie aber wie Geburt und Sterben zur menschlichen Existenz gehören, habe ich mich auf die Suche gemacht. Aus dieser Forschungsarbeit ist dieses Buch entstanden.

Aus Kapitel 1: Einführung

Als Arzt in Europa und Mittelamerika habe ich jahrzehntelang erfahren, dass Krankheiten das Leben der Menschen prägen, ihr Denken und Handeln. Im Studium der Ur- und Frühgeschichte dagegen wurde an Krankheit nicht gedacht, nicht an die Möglichkeit, dass das häufige Sterben der Kinder, die vielen misslungenen Geburten, das kurze Leben oder Epidemien Einfluss auf die Geschichte vergangener Kulturen genommen hätten. Die Archäologie verschreibt sich aber dem Ziel, aus ihren Erkenntnissen ein wirklichkeitsnahes Bild der Kulturen zu erschaffen. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht nach den Ursprüngen von Krankheiten und deren Einfluss auf die Geschichte der Menschen,

und es ist ein Buch daraus geworden.

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