Die Pest befällt den Menschen seit 5.000 Jahren

An der Universität Kopenhagen (Eske Willerslev) wurden Pesterreger in 7 von 101 Skeletten Eurasiens nachgewiesen (2.800 – 950 v.Chr.). Die DNA der damaligen Yersinia pestis unterscheidet sich jedoch genetisch von der des Erregers der Justinianischen Pest im 6. Jahrhundert und von dem der Pestepidemien nach dem 13. Jahrhundert. Die Pest hat zwei Wege der Infektion: Einmal über einen Flohbiss blutig in den Körper – die Beulenpest - und zweitens durch eine Tröpfchen-Übertragung vom hustenden Kranken in die Lunge eines Menschen der nahen Umgebung - die Lungenpest. Diese Form der Pesterkrankung tritt auch heute immer wieder auf. Sie wird von Mensch zu Mensch übertragen oder indirekt von Nagern (Madagaskar, Peru, Kongo, auch in den USA über den Präriehund (ein Nager).

Nur als Lungenpest!?

Der bronzezeitlichen Yersinie pestis fehlen die Gene, die ein Bestehen der Pesterreger im Magen der Flöhe ermöglichen. Die damalige Pest konnte folglich nicht von Flöhen übertragen werden, sondern nur direkt als Lungenpest von Mensch zu Mensch oder Nagetier zu Mensch.

Die Folgen einer Lungenpestepidemie für damalige Gemeinschaften können schwerwiegend gewesen sein. Ein Kranker hätte hustend seine gesamte Sippschaft anstecken können. Die Autoren der Veröffentlichung stellen sich sogar die Frage, ob die bronzezeitlichen Kulturen, die aus dem Osten nach Europa einwanderten, nicht von der Pest getrieben waren.

Wann und wo die genetischen Veränderungen, eine Übertragung durch Flöhe entstand, ist noch unklar. Bislang ging man davon aus, dass erst mit dem Kontakt zu ostasiatischen Kulturen die Ratten und die Pest eingeführt wurden. 

Resistenz gegen Pest

Es gibt eine angeborene Resistenz gegen die Pest – etwa 10% der Menschen in Eurasien sollen genetisch gegen Pest gefeit sein -  für eine Gemeinschaft vielleicht der Rettungsanker.






Vitamin D:

Wer sich einmal daran gewöhnt hat, die Evolution von der Seite der Medizin zu sehen, gerät regelmäßig und fast zwangsläufig in die Tiefe der Vergangenheit.

Vitamin D:

Bei Vitamin D-Mangel denkt man an Rachitis, die Englische Krankheit in den verrusten Industriestädten, an Kleinwüchsigkeit und krumme Beine. Es sind aber vielfältige Stoffwechselfunktionen, die vom Hormon/Vitamin D beeinflusst werden. Wie das Cortison, das Androgen, Estrogen, Testosteron und Gestagen gehört es zu den Cholesterin/Steroidhormonen, die so umfassend in allen Körperzellen wirken, die bei Geschlechtsentwicklung, bei Entzündungsreaktionen, im Mineral- und Zuckerhaushalt wirken. Es ist ein Hormon, dessen tiefgründige Wirkung bei physiologischen Abläufen in unserem Körper erst in kleinen Schritten wissenschaftlich erhellt wird. Jetzt wird Vitamin D auch bei Formen der Leukämie, bei Brust- und Prostata-Krebs, bei Infektabwehr, Immunreaktionen, Zell- und Nervenfunktionen und Intelligenz genannt, auch auf Fruchtbarkeit, Spermien-Beweglichkeit habe es Einfluss.

Vitamin D entsteht in der Haut, durch Sonneneinstrahlung. Wer aber hinter Mauern und Glas, im Auto oder vor dem Bildschirm lebt und arbeitet, aus Angst vor Krebs dauerhaft Sonnencreme verwendet und die Haut aus unterschiedlichsten Gründen verdeckt, gerät in einen Vitamin-Mangel.

Unsere  Vorfahren waren bis vor einigen Tausend Jahren dunkelhäutig. Dunkle Pimentierung der Haut ist ein natürlicher Sonnenschutz. In den Breitengraden um den Äquator, in Afrika, würde die Sonne die ungeschützte Haut innerhalb weniger Stunden entzündlich schädigen. Bei einem Schwarzen dauert es aber 10 Mal länger als bei einem Weißen bis dieselbe Menge Vitamin D in der Haut entsteht. Mit den urgeschichtlichen Formen des Lebens unter afrikanischer Sonne war das kein Problem. 

 Was aber geschah, als die dunkelhäutigen Menschen Afrika verließen und sie weiter nördlich siedelten und sich zusätzlich bekleiden mussten?

 Die UV B-Anteile im Sonnenlicht, der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen und damit Breitengrad und Jahreszeit sind entscheidend für die Bildung von Vitamin D. Wegen des flachen Einfallswinkels der SonneI, im Winter, nördlich von Mittelitalien, Madrid oder Detroit ist der atmosphärische Filter so stark, dass sich selbst an einem sonnigen Mittag nur wenig Vitamin D bilden kann –  bei Hellhäutigen und erst recht  bei Schwarzen. In den ersten Siedlungsgebieten unserer Vorfahren außerhalb von Afrika, im Nahen Osten und in Asien südlich der hohen Gebirgszüge war die Vitamin D-Synthese für Dunkelhäutige wohl noch ausreichend. In Eurasien nördlich der Hochgebirge jedoch herrschte zwischen September und April ein langer Vitamin D-Winter, in dem sich die Vitaminspeicher leerten.

In Siedlungsgebieten an den Nordmeeren waren es die Fettfische („Lebertran“), die die Versorgung gewährleistete.

Der dunkelhäutige Homo sapiens, auch die pigmentierten ersten Bauern, die in die Mitte Asiens, Amerikas und Europa weiterzogen, könnten unter den Folgen eines Mangels an Vitamin D gelitten haben. Die Defizite sind möglicherweise so schwerwiegend gewesen sein, dass sich die hellhäutige  Variante der Haut gegenüber der dunklen selektiv durchsetzte - wohl innerhalb von wenigen Tausend Jahren. War die Fähigkeit, Vitamin D in ausreichender Menge auch in höheren Breitengraden bilden zu können, ein gewichtiger evolutionärer Vorteil?

Immerhin ist es beim Neandertaler, beim asiatischen und beim europäischen Menschen mehrfach zu Veränderungen im Grad der Haut-Pigmentierung gekommen.

- Schimpansen sind unter dem Fell Weiße und die Jungen werden mit heller Gesichtshaut geboren, die sich erst nach ca. zwei Jahren pigmentiert.

- Der Neandertaler in Eurasien hatte helle Haut und auch rotblonde Haare. DNA-Analysen lassen diesen Schluss zu.

- Homo sapiens wurde mit der Migration nach Norden weiß, und er hatte eher helle Haare.

- Die helle Haut ostasiatischer Menschen entstand wohl genetisch eigenständig. Diese Menschen haben aber schwarze Haare.

 Vitamin D ist urgeschichtlich und heute ein wichtiges Thema. 





Die HIV-Geschichte

 

Zusätzliche Informationen zum Buch

Die Ausführung zur Geschichte der frühen Ausbreitung von Aids stößt bei Lesern des Buches auf fast ungläubiges Erstaunen. Deshalb will ich hier die Quellen der Geschichte näher beleuchten. Es geht um die Frage, ob mit der französichen Kolonialherrschaft im Kamerun HIV/Aids aus einer Isolierung, aus dem vereinzelten Auftreten in afrikanischen Gemeinschaften herausgerissen wurden. 

Stechmücken bevorzugen offenes Gelände, die Urwälder sind nicht ihre Orte. Mit der Rodung drangen die Tsetse-Stechfliegen vor, die in ihren Speicheldrüsen die Erreger der Schlafkrankheit beherbergen. Die zur Arbeit gezwungenen Afrikanen wurden krank, starben - es fehlten Arbeitskräfte. 

Eugene Jamot registrierte zwischen 1917 und 1919   5.347 Fälle der zumeist tödlichen Schlafkrankheit bei den Afrikanern und startete eine Impfkampagne mit wenigen Spritzen und Kanülen, die unsterilisiert verwendet wurden. Wenn es also den einen oder anderen HIV-Träger gab, begann so die Verbreitung über die Spitzenkanülen. Bislang konnte ich nicht klären, was gespritzt wurde. Möglicherweise war es Suramin, ein Behandlungsmittel aus den deutschen Bayerwerken.

Der Kanadier Jacque Pepin hat errechnet, dass im Laufe der kolonialen Herrschaft in Französisch Äquatorialafrika fast 4 Millionen Impf- und Behandlungsinjektionen in dieser Form vorgenommen wurden - auch gegen Syphilis und Gonorrhoe. In der benachbarten DR Kongo (Belgisch Kongo) hatte der belgische Arzt Dirk Teuwen vor einigen Jahren nach Krankenakten und Gewebsproben gesucht, die in Paraffin eingebettet waren.  In diesen Proben hat er Hinweise gefunden, dass bereits in der 50/60ger Jahren Aids-Kranke nicht nur vereinzelt in Krankenstationen lagen. Aus Proben von 1960 konnten Genetiker der Uni Arizona HIV-Sequenzen isolieren.

Eine umfassende Darstellung der Evolutions- und Verbreitungsgeschichte des HIV liefert David Quammen in "Spillover Der tierische Ursprung weltweiter Seuchen" 2013 DVA

 Impfaktion - der Herr und die numerierten Sklaven

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Rom:  „Antonionische Pest“, eine Pocken-Epidemie?

 

Es ist anzunehmen, dass Rom, eine Großstadt mit mehreren Hundertausend Einwohnern, im 2. Jahrhundert Opfer einer Pockenepidemie geworden war. Das Römische Reich hatte ihre Streitkräfte auch in den Regionen, in denen mit der Domestizierung der Kamele die Pocken sich dem Menschen angepasst hatten.

 

Nach Angaben des Griechen Cassius Dio sollen in Rom täglich 8.000 Menschen gestorben sein. Möglicherweise habe Rom während der Epidemie 161-192 n.Chr. ein Drittel seiner Bevölkerung verloren. Viele seien in den Tiber geworfen  bzw. in den Gräben der Stadtbefestigung deponiert worden.

Ausgrabungen an der Servianischen Mauer im 19.Jahrhundert ergaben, dass der Graben randvoll mit menschlichen Skeletten gefüllt war, dass allein dort etwa 24.000 Menschen abgelegt worden waren – ein Vorgang, der nur mit Seuchenereignissen zu erklären ist.

In unterirdischen Grabanlagen, von denen es mindestens 60 in und um Rom gab, wurden neben den Einzelgräbern 20-25.000 Menschen kollektiv bestattet. Neue Grabungen im Bereich des Vatikans legten in zwei kleinen Räumen die Skelette von etwa 500 Menschen frei, die keine Zeichen von Gewaltanwendung aufwiesen, die übereinander gestapelt worden waren und die auf eine Zeit im 2. Jahrhundert datieren werden konnten.

Auch die Petrus-Gruft enthält eine organisierte Abfolge aus mehreren Schichten von Skelette, von Menschen, die in dieser Zeitspanne gestorben waren.

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